Das große deutsche Musikfest.
Novelle von Leopold Schefer

bullet1 Nachsatz




gefunden in HELENA, ein Taschenbuch  für 1837






Die Novelle in zeitgenössischer Kritik

literarische Unterhaltung.

Dienstag, NU. 1V. I«. Januar 1837.

Leopold Schefer, drängender poetischer Urkraft voll, welche mehr nach Gestaltungen wählt und ringt, als wirkliche lebendige Gestalten schafft, steuerte eine, in Jean Paul'scher Weise gehaltene, Ernst und Scherz ineinander mischende Novelle bei, welche im dunkeln Farbenfeuer wunderbar sprüht und glüht. Die Novelle trägt den Titel: „Das große deutsche Musikfest“. Hier ist eine Fülle innerlicher Anschauungen, welche wahrhaft in Erstaunen setzt. Könnte man Jean Paul vergessen, so würde Schefer ewig leben; aber in derselben Weise, worin jener unsterblich ist, wenn überhaupt unsere der Vergänglichkeit zugewiesene sublunarische Welt eine Unsterblichkeit dulden mag, kann und darf ein Zweiter als unsterblich nicht gelten. So ursprünglich und primitiv Schefer's Talent, so abgeleitet der Gebrauch. Er würde sich seine eigne Bahn gebrochen haben, wäre sie nicht bereits gebrochen gewesen und von ihm nur als Nachtreter beschritten worden. Man lasse sich durch diese gegen die Gesammtrichtung des Schefer'schen, Talents erhobene Ausstellung in dem Genuß dieser Novelle nicht stören, sondern gebe sich, unbekümmert, wohin sie führt, dieser brausenden Woge des unerschöpflichsten Humors hin, in deren Strömungen die tiefsinnigsten Ansichten über die innere Bedeutung der Musik, zumal der deutschen, wie leuchtende Infusorien schillernd, hin- und wiederspielen. 10S.



Die Novelle heute gesehen und bewertet:

Großveranstaltungen sind heutzutage nichts Ungewöhnliches, sei es Sport, sei es ein Jugendtreffen, sei es ein Filmfestival, seien es Bach- oder Händelfestspiele oder „-Wochen“*****
Wo hat Leopold Schefer die Idee zu dieser orginellen Novelle hergeholt?
Zum 300. Todesstag Albrecht Dürers fand 1828 in Nürnberg ein „allgemeines deutsches Künstlerfest“ statt. Entwickelte daraus der Dichter sein Sujet? — „Das große deutsche Musikfest“
Leopold Schefer verstand etwas von Musik!
Jeder kann es heute nachlesen:



Im Capitel XII. der Novelle antwortet Leopold Schefer auf die Fragen des Lesers: — „Das ist mein musikalisches Testament.“ — 
— — Was ist, was soll, was kann Musik?



Die Hausmusik einst:

Die Familie des Grafen Callenberg zu Muskau-Standesherrschaft, ein Beispiel für Musikpflege und Musikalität.
Jedes Familienmitglied hat ein Musikinstrument in der Hand. — —





Zunehmend war auch das deutsche Bürgertum des 19. Jahrhundert am Musikschaffen und eben auch an Hausmusik interessiert.
Es war also garnicht verwunderlich, daß der musikliebende Leopold Schefer ein „Großes deutsches Musikfest“ statfinden läßt — 1837 — auf dem Papier, in Bunzlau, in einer von ihn selbst herausgegebenen Zeitschrift, die den schönen Namen HELENA trägt.